Impuls 10/2016:

Um zweierlei bitte ich dich, versag es mir nicht, bevor ich sterbe: Falschheit und Lügenwort halt fern von mir; gib mir weder Armut noch Reichtum, ernähre mich mit dem Brot, das mir nötig ist, damit ich nicht, satt geworden, dich verleugne und sage: Wer ist denn der Herr? , damit ich nicht als Armer zum Dieb werde und mich am Namen meines Gottes vergreife. (Sprüche 30, 7-9)
Ist es besser arm oder reich zu sein? Beides hat seine Gefahren, so beschreibt es der Autor der Bibelverse: Reichtum führt leicht dazu, Gott zu vergessen oder für überflüssig zu halten. (vgl. die Worte Jesu: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt! Mt. 19, 24) Armut kann dagegen zur Verzweiflung führen und Menschen in die Kriminalität treiben. So wird ebenfalls Gottes Namen in Verruf gebracht.

Der Beter bittet stattdessen: Ernähre mich mit dem Brot, das nötig ist. Mit anderen Worten: Gib mir so viel, wie ich zum Leben brauche. Das ist genug für mich. Aber wieviel ist genug?
Als die Israeliten durch die Wüste zogen (Exodus 16 // 2. Mose 16), versorgte sie Gott mit Manna für einen Tag. Wer in seine mitgebrachten Tupperdosen Manna auf Vorrat sammeln wollte, wurde enttäuscht: am nächsten Tag war es verdorben. Dafür stellte Gott ganz neues Manna bereit. Tag für Tag. So lernte ein ganzes Volk: auf unseren Gott ist Verlass. Er versorgt uns mit allem, was wir zum Leben brauchen.
Jesus lehrt uns im Vaterunser (Matthäus 6) zu beten: unser tägliches Brot gib uns heute. Auch hier: genug für einen Tag. Diese Bitte steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der menschlichen Sorge um Leben und Auskommen. Jesus ermahnt seine Leute: Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben. Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage. (Verse 31-34)
Im Sparen und Sorgen sind wir Deutschen weltweit ganz vorne dabei. Das liegt sicher auch an unserem geschichtlichen Erbe. Trotzdem ist beides eine Haltung, die Jesus kritisiert.
Bei meinem Besuch in Nord-Kamerun, in Indien, in Rumänien wurde für mich der Begriff „genug“ neu geeicht. Meine innere Waage wurde buchstäblich neu eingestellt. Ich erinnere mich lebhaft an das Gespräch mit Kameruner Schülern über ihre Zukunftsaussichten, die guten aber dennoch wenigen Möglichkeiten an ihrer Schule und die Frage nach meinem Leben in Deutschland. Ich erinnere mich an die Freude über die Einweihung einer kleinen Betonkirche mit Strohdach in Indien. Ein Raum voller Gesang und Tanz und Lob Gottes über dem, was er für diese Menschen tut. Sie sind unendlich dankbar. Unruhig rutschte ich auf meinem Ehrenplatz herum und konnte die Unterschiede zwischen dort und hier nicht begreifen. Mir wurde bewusst, dass ich wirklich unendlich reich bin.
Wieviel ist genug? Darauf gibt es keine einheitliche Antwort. Aber eines ist klar: wir haben in Deutschland in der Regel mehr als genug. Wer das begriffen hat, der ist eingeladen zu teilen.
Paulus schreibt an die Gemeinde in Korinth (2.Kor. 8): Gebt entsprechend dem, was ihr habt! Denn eine bereitwillig gegebene Gabe ist Gott willkommen, und ihr Wert bemisst sich nach dem, was der Geber besitzt, nicht nach dem, was er nicht besitzt. Schließlich soll es nicht dahin kommen, dass ihr anderen aus ihrer Not helft und dadurch selbst in Not geratet. Es geht vielmehr darum, einen Ausgleich zu schaffen. Zum jetzigen Zeitpunkt hilft euer Überfluss ihrem Mangel ab, damit dann ein anderes Mal ihr Überfluss eurem Mangel abhilft, und auf diese Weise kommt es zu einem Ausgleich.
Die einen haben Überfluss, die anderen haben mit Mangel zu kämpfen. Durch Teilen kommt es zu einem Ausgleich. Aus Überfluss und Mangel wird genug für beide. Vor einigen Jahren warb Brot für die Welt mit dem Slogan: Es ist genug für alle da. Das stimmt nach wie vor. Durch Teilen und dem Kampf für gerechte Strukturen und Systeme kommen wir dem näher.
Wir feiern Erntedank. Wir feiern, dass Gott uns versorgt. Wir brauchen uns nicht sorgen, weil er treu ist. Wir haben umso mehr Grund zu danken, dass wir zu den privilegiertesten Ländern der Erde gehören. Wir feiern, dass wir teilen dürfen und für den Ausgleich auf dieser Welt mitsorgen, der Gott am Herzen liegt. Sein weltweiter Horizont soll auch unserer sein. Mit den Flüchtlingen vor Augen wird uns das ganz leicht gemacht. Gottes Wirken für Gerechtigkeit und seine Hilfe aus Barmherzigkeit sind Auftrag und Ansporn für unser eigenes Leben und Haushalten.
Mit der EBM - Europäisch Baptistischen Mission haben wir einen Partner, der garantieren kann, dass die Mittel auch dort ankommen, wo sie benötigt werden. Gemeinden und Projekte in Afrika, Indien, der Türkei und Südamerika leben davon, dass wir teilen. Die Katastrophenhilfe unseres Bundes leistet auch dann noch Hilfe, wenn die Tageszeitungen längst andere Schlagzeilen schreiben. Wenn wir teilen, erfahren wir beide Gottes Segen. Gott sei Dank! Wie damals zu Paulus Zeiten. Fröhliche Geber hat Gott lieb!

 

Euer André Krause, Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Leipzig

Vernetzt im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) in Deutschland K.d.ö.R.

Wir sind Mitglied im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland K.d.ö.R. Darüber hinaus gehören weitere Gemeinden zu unserem Landesverband.


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