Juni-Andacht

Impuls 06/2018:

gutes vergessnis             
Auf dem Weg vom Parkplatz zum Gottesdienst sagte meine Frau plötzlich: Vor einem Jahr konnte ich diesen Weg nicht gehen, da musstest du mich bis vor die Tür fahren. Ein anderes Mal fiel ihr ein: Als wir uns zu Mittag das Essen auf Rädern haben bringen lassen: Wer hat eigentlich Frühstück und Abendbrot zubereitet? Ich konnte mich nur erinnern, dass ich gewaschen habe, und das auch nur, weil ich beim ersten Mal nicht wusste, wie die Tür der Maschine zu öffnen ist. Als ihr Schwager durchgelegen war, riet ich ihr: Erzähle doch, wie wir deine wunde Stelle behandelt haben. "War ich denn auch durchgelegen?“ Sie kaufte für einen Krankenbesuch ein Schälchen Heidelbeeren. Ich grübelte laut: Heidelbeeren. Da war doch was. Ach ja. Solche Schälchen habe ich dir ins Krankenhaus gebracht.

Jetzt freuen wir uns, dass wir alles Schlimme vergessen haben.  Denn immer an das Schlimme denken müssen: das wäre ja echt schlimm.
Als alles wieder fast in geordeten Bahnen verlief, tauchte eine neue Frage auf: Was fangen wir mit dem neuen Leben an? Unserem Sohn antworteten wir: Einfach so weitermachen wie bisher. Aber das geht gar nicht.
Bisher hatten wir immer nach dem alten Wort geplant: So Gott will und wir leben. Das war aber nichts Besonderes, denn Gott wollte immer und wir lebten - und fühlten uns wie vor 40 Jahren. Aber nun waren wir plötzich alt. Es war nicht mehr abzusehen, dass Gott wollte und wir lebendig genug sein würden. Es hatte sich etwas Grundlegendes geändert. Jetzt konnten wir nur noch sagen: Wir träumen davon...
Unsere Tochter hat uns ein Buch geschenkt: Mit Geschichten durchs Jahr. Das hat neue Programmpunkte in den Tagesablauf gebracht: Nach dem Aufstehen einige Lieder aus unserer Jugend auf Harmonium und Mandoline spielen, dann die Jahresgeschichte lesen und dann das Bibellesen auf neue Art: Der Lapi liest deutsch, meine Frau englisch und ich französisch. Alles laut. So können wir zugleich den Text lesen, Übersetzungen vergleichen, Sprachen lernen, Bekanntes wiederholen und Neues entdecken.
Die Krankheit und das Alter haben die Muskeln geschwächt. Ob wir noch Tandem fahren könnten? Schön wär's ja. Da hatte meine Frau eine zündende Idee: einen Elektromotor anbauen. Gesagt getan. Aber getan ist nicht so einfach wie gesagt. Probleme über Probleme. Bestellen, zurück schicken, fragen, Abraten, Bedenken. Schießlich angstvolle ahnungslose Probefährtchen. - Radfahren ist wieder möglich - und tatsächlich leichter als früher mit kräftigeren Muskeln.
Und nun kommt die Wende. An die Stelle des Vergessnis tritt das Gedächnis. Wie ist denn aus dem Schlimmen das Neue geworden? Gott war in jenen Tagen nicht fern. Er hat auf hunderterlei Weisen geholfen. Er hat Menschen über Menschen beteiligt, Untersuchungen gelingen, Behandlungen erfolgreich sein lassen, Hilfsmittel über Hilfsmittel bereit gestellt, Schritt für Schritt Besserung eintreten lassen, neue Wege gezeigt. Am Ende bleibt die Dankbarkeit. An die Stelle des Vergessen-Wollens tritt das Loben-Wollen.Wie das vor sich geht, beschreibt ja schon der alte synonyme Parallelismus: Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Dafür gibt die Bibel uns einen Rat: Wenn dein Sohn fragt, sollst du ihm antworten... Erzählen fördert unser Gedächtnis, und Gedenken bedeutet: Gott loben. Erzählen wir also, was Gott uns Gutes getan hat, was er unserem Volk Gutes getan hat, was er der Welt Gutes getan hat. Und schon loben wir ihn. Wiederholung ist nicht nur die Mutter der Weisheit, sondern auch der Vater des Lobens.
Übrigens sind wir jetzt noch einmal auf dem Klinik-Gelände gewesen. Wir hatten in Erinnerung, dass dort ein riesiger Blauglöckchenbaum steht. Die Blüten wollten wir doch zu gern einmal sehen. Sie sind wirklich wunderbar schön.

Pastor Werner Dietrich, Pastoren in Ruhe

Vernetzt im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) in Deutschland K.d.ö.R.

Wir sind Mitglied im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland K.d.ö.R.


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